Wertschöpfungskiller „Papier“ im Zuschnittbetrieb!

Papier ist nach wie vor ein großer Wertschöpfungskiller*. Zwar bezahlt der Kunde den Papiermarathon über die Gemeinkosten, aber bevor Sie mal wieder über Restrukturierungsprogramme in der Produktion nachdenken, sollten Sie hier vielleicht erst einmal bei schauen.

Wer gedacht hat, mit der Einführung des Computers würde sich die Papiermenge im Zuschnittbetrieb reduzieren, der hat sich gewaltig getäuscht. Bestimmt haben Sie auch eine Kollegin oder einen Kollegen, der jedes Angebot vor dem Versenden per eMail nochmal ausdruckt, um es zu lesen. Und die Korrektur davon druckt sie/er auch aus und die Korrektur der Korrektur auch.

Dazu kommen die vielen Papiere, die in die Werkstatt gehen. Ist ja auch einfach, nur ein paar Klicks und der Drucker spuckt alles Nützliche und weniger Nützliche aus.

Und dann? Zeichnungen werden gesucht, Fertigungspapiere sind verschollen, wo wurde nochmal der Schneidplan hingelegt? Und wenn sich etwas an dem Auftrag ändert, wird erneut gesucht, eingesammelt, vernichtet, neu gedruckt und alles wieder in die Werkstatt gegeben.
Schon mal beobachtet, wie oft Maschinen stillstehen oder Arbeitsplätze verwaist sind, weil irgendjemand irgendwo eine gedruckte Information sucht?*

Weg damit. Schluss mit dem Papiertheater. Heute können alle Informationen überall in der  Werkstatt online zur Verfügung stehen. Es ist eine Frage der Kreativität, der Organisation und des Wollens.
Schneidpläne sind dem Blech eindeutig zugeordnet, sonst wäre eine Rückverfolgbarkeit nicht gegeben. Alle zum Schneiden relevanten Infos werden an der Maschinensteuerung angezeigt.

Warum nicht jedem Laserteil direkt beim Schneiden eine kleine, aber eindeutige Markierung mitgeben, um die Teile identifizierbar zu machen? Oder dem Plasmateil? Oder dem Wasserstrahlteil? Es müssen doch keine Romane sein. Ob es sich dabei um Zeichenfolgen, Barcode, QR-Code oder Muster handelt, es gibt viele Möglichkeiten. Einfach mal querdenken.

Oder kleine, extrem haftende, unzerstörbare, evtl. hitzebeständige Aufkleber nach dem Schneiden auf die Produkte kleben.

Hauptsache, das geschnittene Teil ist identifizierbar und der Mitarbeiter kann online alle Informationen zu dem betreffenden Teil aufrufen. Wozu also das Papier?

Ein Fall aus der Praxis:

Ein Plasmazuschnittbetrieb hat viele Teile auf einem Blech ineinander verschachtelt. An der Maschine werden nach dem Schneiden kleine Aufkleber mit verschiedenen, aber eindeutigen Symbolen ausgedruckt und auf die geschnittenen Produkte geklebt, so dass jeder Mitarbeiter sofort und auf Entfernung erkennen kann, welche Arbeitsgänge folgen und in welcher Reihenfolge. Ansonsten ist nur ein Barcode auf dem Aufkleber und die Auftrags- und Positionsnummer. Mehr braucht die Produktion nicht für den Durchlauf.

Und da die Aufkleber erst nach dem Schneiden gedruckt werden, können Änderungen jederzeit und ohne Papierlogistik bis zum Schneiden durchgeführt werden.

Den Schneidplan hat der Teile-Abräumer auf seinem robusten Betriebs-Tablet. Dort kann er sich jede Position anzeigen lassen und den Schneidplan vergrößern. Ein Zugriff auf Zeichnungen der geschnittenen Teile ist immer gegeben. Somit ist jedes Teil eindeutig identifizierbar.

Ach ja, die Teile müssen zum Verputzen rumgedreht werden. Macht nix, der Aufkleber ist so gestaltet und positioniert, dass die wichtigsten Infos auch von unten (dann oben) gelesen werden können.

Dieser Zuschnittbetrieb hat auch in der Folge kein Papier im Einsatz. Selbst im Versand nicht. Papier-Lieferscheine gibt es nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, das Papiertheater hört auf und die Non-Paper-Philosophie passt zur Organisation.

Damit ist die Sache mit dem mehrfachen Ausdrucken des Angebotes aber noch nicht gelöst. Ganz einfach, drucken Sie es konsequent nicht mehr aus! Für manchen etwas gewöhnungsbedürftig, aber es geht – vertrauen Sie mir!


*Wenn 10 Mitarbeiter jeden Tag je 15 Minuten an Papier-Unterlagen oder gedruckten Informationen suchen, ergeben das im Jahr 550 Stunden = 79 Manntage!!
Drucken, lesen, sortieren, heften, verteilen, wieder sortieren, lochen, ablegen oder entsorgen noch nicht eingerechnet.

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