Verborgene Schätze in der Blechverarbeitung

Überall wabert das Kosten-Gejammer durch die Produktionshallen mit ihren wertvollen Laser-, Plasma-, Autogen- und Wasserstrahl-Schneidmaschinen:

„Der Kunde bestellt 25 unterschiedliche Auftragspositionen, aber darunter jeweils nur 1 Schneidteil. Wer soll diesen Aufwand bezahlen?“

Da ist die Erkenntnis schon als Fortschritt zu bewerten, erstens wird das zukünftig nicht besser werden und zweitens geht es immer noch primär um die Erfüllung der Kundenbedürfnisse. Und schon höre ich die Mahner rufen, die die Maschinenauslastung in den Keller sinken sehen. So, als wären die Schneidmaschinen immer noch der große Engpass und Kostenblock im Unternehmen.

Dabei sind es die Blindleistungen vor und hinter der Schneidmaschine, die die Kosten in die Höhe treiben:

  • Chaotische Lagerung der Bleche.
  • Bleche suchen.
  • Umräumen, umräumen, umräumen.
  • Staplertransport eines Bleches an die Maschine.
  • Programme per Hand an der Maschine erstellen.
  • Nullpunkt des Bleches einmessen. Blech abfahren.
  • Nullpunkt korrigieren. Blech abfahren.
  • Nullpunkt korrigieren. Blech abfahren.
  • Alles schneiden, was nur irgendwie auf das Blech passt. Egal ob das Teil morgen, nächste Woche oder nächsten Monat benötigt wird.

Blech geschnitten – endlich.

  • Produkte und Blech von der Maschine räumen.
  • Nächstes Blech suchen und auflegen.

Und wieder von vorne, die Maschine muss schließlich laufen.

Hinter der Maschine türmen sich die geschnittenen Produkte. Ein Teil geht in die Weiterverarbeitung, die anderen Teile werden eingelagert. Dafür sucht der Zusammenbauer die Teile, die letzte Woche schon geschnitten wurden und zum gleichen Auftrag gehören. Irgendwo liegen sie doch. Oder wurden sie zwischenzeitlich woanders hin geräumt? Und das alles unter Termindruck, denn der zugesagte Termin war vorvorgestern.

Übertrieben?

„Bei uns ist alles top organisiert, wir sind sehr modern aufgestellt“. Ja, es gibt diese Hochleistungsfertiger, die top organisiert sind. Aber nach meiner Erfahrung sind es immer noch die Ausnahmen. Und spätestens jetzt, wo die Stückzahlen pro Auftragsposition runtergehen, die Blindleistung in der Fertigung steigt und die Liefertreue mehr denn je ein entscheidender Faktor ist, spätestens jetzt wird es für manchen Blechverarbeiter eng.

Also warum nicht den Fluch der Komplexität, der kleinen Stückzahlen und der kurzen Liefertermine in einen Segen und einen Wettbewerbsvorteil umwandeln? Die verborgenen organisatorischen Schätze in der Blechverarbeitung zu heben ist gar nicht so schwer. Einfach mal weg von den klassischen Pfaden und umdenken, querdenken und mutig sein.

  1. Für jedes zu schneidende Blech ein Programm in der Arbeitsvorbereitung erstellen. Auch für nur 1 Teil. Weg von der Programmierung an der Maschine.
  2. Nur verschachteln und schneiden, was auch zeitnah gebraucht oder versendet wird.
  3. Den Lagermitarbeitern die Informationen bereitstellen, welches Blech wann an welcher Schneidmaschine gebraucht wird.
  4. Bleche in der optimalen Reihenfolge an der Maschine bereitstellen.
  5. Bleche auf den Maschinentisch schnell und präzise auflegen und Nullpunkt einmessen.
  6. Nur schneiden was als Programm bereitsteht. Bis hierhin kann noch korrigiert und geändert werden.
  7. Fertigungspapiere erst nach dem Schneiden ausdrucken oder als Label auf das Produkt kleben oder das Produkt vor dem Schneiden maschinell kennzeichnen. Am besten weg mit dem Papier.
  8. Konturen der Bleche nach dem Schneiden so genau wie möglich erfassen, damit alle Flächen, Ecken und breite Stege erneut verschachtelt werden können (Negativkonturablagen im Schachtelprogramm sind zwar theoretisch prima, haben aber oft mit der Realität nicht viel zu tun).
  9. Restblechkonturen sofort nach dem Schneiden dem Schachtelprogramm wieder zur Verfügung stellen.
  10. Restbleche effizient und auffindbar einlagern.
  11. Geschnittene und markierte Produkte direkt weiterverabeiten und möglichst zeitnah versenden.

Dadurch werden

  • Pufferlager vermieden,
  • Schrott minimiert,
  • Blindleistungen reduziert und
  • die Liefertreue erhöht.

Und plötzlich ist der „Stückzahl 1“ der Schrecken genommen und die Wertschöpfung stimmt wieder.

Und die Maschinenauslastung? Spielen Sie es mal durch, Sie werden positiv überrascht sein. Es sei denn, Sie arbeiten schon so. Wenn dann ein Auftrag kommt, bei dem mal wieder ein ganzes Blech ausgeschachtelt werden kann, das ist dann eine Zugabe, die von der geänderten Organisation profitiert und zur Augenweide wird. Und da sowohl die Informationen, als auch die passende Top-Mannschaft vorhanden sind, kann es morgen losgehen.

Viel Spaß beim Weiterdenken!