Bei uns steht der Kunde nicht im Mittelpunkt

Mal grundsätzlich: der Blechverarbeiter, bei dem der Kunde nicht im Mittelpunkt steht, der hat keine Berechtigung auf dem Markt. Also was soll das „mantraartige“ Bekenntnis zum Kunden? Schließlich bezahlt der Kunde die Rechnungen und die sind hoffentlich immer höher als die Rechnungen, die das Unternehmen zu zahlen hat.

“Bei unseren Kunden steht unser Unternehmen im Mittelpunkt“. Klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, aber warum nicht mal andersherum denken?

Der Markt bzw. der Kunde sagt dem Blechverarbeiter, was er benötigt. Und der Blechverarbeiter entscheidet, ob er das liefern kann und liefern will.

Wenn das eigene Unternehmen nicht gerade Markführer in seinem Segment ist, dann bestimmen die „Wettbewerber“ die Möglichkeiten. Und danach haben sich die anderen Unternehmen zu richten. Können sie nicht zumindest auf Augenhöhe mitziehen, geht der Markt früher oder später an ihnen vorbei. Also, der Kunde ist weg und neue kommen erst gar nicht.

Ein hochmoderner Maschinenpark, gut ausgebildete Mitarbeiter, permanente Materialverfügbarkeit – ist heute alles kein „Hexenwerk“ mehr. Aber für viele Blechverarbeiter ist es anscheinend immer noch „Hexenwerk“

  • auf die komplexen Anforderungen der Kunden zu reagieren,
  • Stückzahl 1+ wirtschaftlich zu fertigen und dabei Ressourcen effizient und schonend einzusetzen,
  • Informationen über die gesamte Wertschöpfung hinweg verfügbar zu machen und dem Kunden online bereitzustellen,
  • Abläufe so zu gestalten, dass sie schlank und effektiv sind,
  • und das mit einer Mannschaft, die engagiert auf Sieg spielt und nicht nur nach Vorschrift dienstet.

Manchmal scheitert es an Kleinigkeiten wie:

  • Online-Kalkulation zumindest einfacher Bauteile,
  • automatische Programmerstellung und dadurch Lieferzeitverkürzung,
  • Aufkleber mit Barcode oder QR-Code für jedes einzelne Bauteil,
  • Laser-Markierung mit Kunden-Artikelnummer auf dem Bauteil,
  • Infos über Auftragsstatus in Echtzeit,
  • Liefertracking,
  • Lieferscheine mit Qualitätsdokumenten und Abnahme-Zeugnissen per eMail,

nur um mal ein paar niederschwellige Standard-Anforderungen zu nennen.

Das Unternehmen kann viel und macht viel möglich, aber irgendwie passt alles nicht schlüssig zusammen. Interne Sonderprozesse bedeuten viel Beschäftigung, aber wenig Arbeit. Früher nannte man das „Flickschusterei“. Hier ein bisschen ERP, dort etwas Schachtler, hier noch eine Excel-Lösung und da die gute alte Karteikarte und der Edding für alle Fälle. Genauso sieht Organisation in der Blechverarbeitung 2017 oft aus. Man will viel für den Kunden tun und schafft sich eine interne Wertschöpfungsverhinderung nach der anderen. Bis das System kollabiert.

Dass es auch anders geht, als ganzheitlich sinnvolle und geschmeidige Lösung, wo alles ineinandergreift und trotzdem smart ist, das zeigt der Wettbewerber. Der, wo der Kunde gerne und immer mehr kauft.

Blechverarbeiter und Kunde sind eine Leistungsgemeinschaft. Dort, wo der Kunde nicht mehr im Mittelpunkt des Unternehmens und das Unternehmen nicht mehr im Mittelpunkt des Kunden steht, wird die Zeit knapp. Und das holt man nicht von heute auf morgen wieder auf.

Nein, jetzt kommt nicht der große Zeigefinger mit der „Digitalisierung“ – oder doch?

Ganz ehrlich, man sollte die Digitalisierung nicht überschätzen! Aber auch ganz ehrlich, man sollte die Digitalisierung auf keinen Fall unterschätzen. Und die Zeit, die man benötigt, um mit dem Wettbewerber zumindest wieder gleich zu ziehen, sollte man auch nicht unterschätzen. Das geht nicht „mal eben“.

Viel Spaß beim Weiterdenken.