Dem Wettbewerber über die Schulter geschaut

Die Anforderungen der Kunden werden immer komplexer und ausgerechnet der Wettbewerber hat die passenden Ideen damit umzugehen. Der Wettbewerber hat trotz vieler Überraschungen im Markt Ideen entwickelt, wie er die Gesamtkosten senkt, den Umsatz erhöht und die Erlöse steigert. Und er und seine Mitarbeiter haben Spaß an den Veränderungen, weil sie die Arbeit erleichtern und sich eine ganz andere Unternehmenskultur entwickelt.

Aber was macht der Wettbewerber anders?

Schauen wir uns mal den fiktiven Wettbewerber, die MuFi-Edelstahltechnik an. Eigentlich ein klassischer Blechverarbeiter in der 3ten Generation. Teils alte, teils neue Maschinen. 45 Mitarbeiter, davon 15 in Verwaltung und Vertrieb. Ein nicht ganz altes ERP-System, maschinenunabhängige Schachtelsoftware auf dem neuesten Stand und viele kleine Insellösungen aus Excel, Word, Access und Visual Basic.

Die Geschäftsleitung hatte sich vor 1 Jahr entschlossen, das Unternehmen sinnvoll zu digitalisieren.  Insellösungen sollen in ein Gesamtsystem integriert werden, Maschinendaten sollen teilweise eingebunden und neue Software-Ideen sollen umgesetzt werden. Nach der Devise: „Sich fit machen zu einem Blechverarbeiter von morgen, der nicht in Bedrängnis kommen möchte“.

Doch statt die EDV-Abteilung mit dem großen Rundumschlag zu beauftragen, setzt das Projekt dort an, wo das Unternehmen vor vielen Jahren auch angesetzt hat, beim Kunden. Also bevor der Blick nach innen gewandt wird, geht erstmal der Blick nach außen.

– Was sind die Bedürfnisse unserer Kunden?

– Was sind die Bedürfnisse unserer Noch-Nicht-Kunden?

– Was erwartet der Markt von uns heute und was morgen?

Alles Fragen, die man sich bei MuFi-Edelstahltechnik lange nicht mehr gestellt hat. Man hat sich in den letzten Jahren mehr um interne (Schein-)Bedürfnisse gekümmert. Um Qualitätsmanagement, um Prozessmanagement, um KPIs, um Auslastung, um Zielerreichung und Nichterreichung und viele andere interne Regelungen und sinnlose Kontrollen.

Aber, all dies hat nicht zum Firmenerfolg beigetragen, ganz im Gegenteil, die Wertschöpfung ist gesunken. Das Unternehmen hatte seinen Sinn und Zweck nicht mehr im Blick – Kundenbedürfnisse erfüllen, die mit dem Bezahlen von Rechnungen belohnt werden. Rechnungen, deren Beträge höher sind als die eingesetzten Kosten.

Rückbesinnung auf das Ursprüngliche und Vorausschau auf den Markt von heute und morgen. Ein Markt, der sich ständig verändert und mit Überraschungen nicht geizt.

Hier stellt sich nun bei MuFi-Edelstahltechnik die nächste Frage:

– Hat dieser dynamische Markt Auswirkungen auf mein Geschäft?

Die Antwort ist schnell gefunden. Stückzahl 1, kurze Lieferzeit, teilweise Übernachtlieferung, neue Anforderungen an die Produkte, neue Anforderungen an die Mitarbeiter. Sonderaufträge sind der neue Standard. Es gibt kaum noch Kontinuität im Produktportfolio. Reagiert MuFi-Edelstahltechnik nicht auf die heutigen Marktanforderungen, reagiert der Markt auf MuFi-Edelstahltechnik. Er lässt das Unternehmen früher oder später links liegen.

– Wo sind noch Prozesse, die immer gleich und eindeutig beschreibbar durchlaufen und wo müssen wir mit immer neuen Ideen, neue Lösungen finden?

Komplexe Aufgabenstellungen werden bei MuFi-Edelstahltechnik nun nicht mehr als Störfaktoren angesehen, sondern als motivierende Wettbewerbsvorteile. Während der Wettbewerber sich noch fragt, ob er den nicht-standardisierten Auftrag anbietet, wird er bei MuFi-Edelstahltechnik schon gefertigt. Es geht um den Kunden, nicht um das interne Spielen von Unternehmenstheater.

– Wo sind überflüssige Praktiken, Prozesse, Regelungen, alte Zöpfe, ungeschriebene Gesetze?

Alles raus. Entrümpeln, abschaffen, aufhören, weg damit. Braucht kein Unternehmen und stört das Arbeiten.

Die Geschäftsleitung der MuFi-Edelstahltechnik hatte sich entschlossen das Unternehmen sinnvoll zu digitalisieren. Und angefangen hat sie damit, den Ballast aus vielen Jahren Routine abzuwerfen, der sich nach und nach aufgebaut hat. Wie wenn man die Nägel und Haken erstmal aus der Wand holt, bevor man neu tapeziert.

Nun geht die MuFi-Edelstahltechnik viel unbeschwerter an den nächsten Schritt, weil sie weiß, dass sie keinen Unsinn digitalisieren wird.

Es stellen sich noch manche Frage

– Wie sieht eine sinnvolle Digitalisierung aus?

– Wie können wir noch besser auf den dynamischen Markt reagieren?

– Wie gehen wir mit komplexen Aufgabenstellungen in digitaler Umgebung um?

usw.

Dazu dann beim nächsten Mal mehr. Jetzt ist erst einmal der Grund für eine aufgeräumte Zukunft gelegt.

Die MuFi-Edelstahltechnik ist jedenfalls heute ein Hochleistungsfertiger in einem dynamischen Markt, während der Wettbewerber noch an seinen Prozessen, Qualitätsmanagement-Handbüchern und internen Selbstzweck-Problemen schraubt.

Übrigens hat sich die MuFi-Edelstahltechnik den ganzen Prozess über von außen begleiten lassen, denn sie selber konnte viele ihrer Probleme, Engpässe und Blockaden nicht präzise beschreiben. Da bedarf es Außenstehender, die für die Probleme das erforderliche Können und die nötige Erfahrung mitbringen und dafür dann auch die richtigen Worte finden.

Viel Spaß beim Weiterdenken.